Meine mobile Werkstatt – eine Werkstatt auf Rädern
Eine Werkstatt ist normalerweise an einen festen Platz gebunden. Wer sein Werkzeug aber einmal im Garten, dann in der Garage, im Hof oder vielleicht sogar beim Nachbarn benötigt, kennt das Problem: Das Werkzeug muss zum Arbeitsplatz gebracht werden. Und eine vernünftige Arbeitsfläche wäre dort ebenfalls hilfreich.
Genau deshalb habe ich meine mobile Werkstatt gebaut. Sie ist Werkzeugwagen, Werkbank und Ablage in einem. Das Besondere: Sie lässt sich nicht nur rollen, sondern auch über unebenen Untergrund und Treppen bewegen. Am Einsatzort ist sie innerhalb etwa einer Minute aufgebaut.
Warum eine eigene Lösung?
Mobile Werkstätten in Servicefahrzeugen sind nichts Neues. Sie bringen Werkzeug, Material und Ersatzteile zum Kunden. Allerdings muss das Fahrzeug dort auch abgestellt werden können, wo gearbeitet werden soll. Auf Baustellen oder in höheren Stockwerken können dadurch lange Wege entstehen.
Werkzeugwagen lassen sich zwar bequem durch Werkstätten rollen, sind aber meist auf gute und ebene Böden angewiesen. Auf Rasen, unbefestigtem Gelände oder Treppen stoßen sie schnell an ihre Grenzen. Außerdem fehlt ihnen häufig eine brauchbare Werkbank.
Mobile Werkbänke wiederum bieten eine Arbeitsfläche, sind aber oft sperrig. Türen und Treppenhäuser können zum Hindernis werden. Und einen richtigen Werkzeugwagen hat man damit noch lange nicht.
Meine Idee war deshalb, diese drei Dinge miteinander zu verbinden: einen Werkzeugwagen, eine Werkbank und eine Ablage – und das Ganze so zu konstruieren, dass es auch dort eingesetzt werden kann, wo herkömmliche Lösungen nicht mehr weiterkommen.
Der Grundkörper: eine ganz gewöhnliche Mülltonne
Für meinen Prototyp verwendete ich eine herkömmliche 120-Liter-Mülltonne. Sie bot einen geräumigen Innenraum und war eine preiswerte Grundlage für meine Konstruktion. Dazu kamen unter anderem die Fußstütze eines alten Rollstuhls und eine kleine, zusammenklappbare Werkbank, die ich bereits zur Verfügung hatte.
Wie bei meinen anderen Projekten versuchte ich, möglichst vorhandenes Material zu verwenden und die Kosten niedrig zu halten. Der Prototyp ist deshalb nicht unbedingt ein Designstück. Entscheidend war für mich, dass die Konstruktion funktioniert.
Die Ausstattung im Inneren
Im Inneren gibt es unterschiedliche Bereiche für Werkzeug und Zubehör. Unten ist Platz für Schrauben und Kleinteile. In der Mitte befinden sich vier Schubladen mit verschiedenen Einsätzen für Werkzeuge. Oben können größere Werkzeuge oder eine zusätzliche Werkzeugkiste untergebracht werden.
Auch die Tür ist sinnvoll genutzt: Auf ihrer Innenseite lassen sich Werkzeuge befestigen, die man schnell zur Hand haben möchte. Sie wird seitlich geöffnet und dort arretiert.
Die Werkbank – ausklappen und loslegen
Für die Werkbank verwendete ich eine kleine, handelsübliche Klappwerkbank. Ihre Füße wurden demontiert und die Länge etwas gekürzt. Anschließend befestigte ich sie mit stabilen Scharnieren am Werkzeugwagen.
Die notwendige Abstützung auf der gegenüberliegenden Seite entstand aus der Fußstütze eines alten Rollstuhls. Sie lässt sich umklappen und mit einer Schraube an der Werkbank befestigen. Ihre große Bodenauflage sorgt für Stabilität. Zusätzlich ist der Fuß höhenverstellbar.
Die Werkbank befindet sich in einer angenehmen Arbeitshöhe. Für den Transport wird die Fußstütze hinter der eingeklappten Werkbank befestigt. So kann während der Fahrt nichts unkontrolliert hin- und herklappern.
Die Ablageseite
Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine Ablage aus Edelstahl. Ein kleiner Rand verhindert, dass abgelegte Teile auf unebenem Untergrund so leicht herunterfallen.
Zusätzlich habe ich ein Blech mit drei magnetischen Behältern angebracht. Darin lassen sich beispielsweise Schrauben und Kleinteile sortieren. Die Ablagen sind klappbar und werden zum Transport gesichert. Ein ausklappbarer Winkel am Werkzeugwagen dient als Auflage.
Große Räder und ein Sackkarrengriff
Die ursprünglichen kleinen Räder der Mülltonne waren für meine Zwecke natürlich ungeeignet. Ich ersetzte sie durch große, luftbereifte Schubkarrenräder mit 400 Millimetern Durchmesser und 100 Millimetern Breite.
Damit lässt sich die mobile Werkstatt auch auf Rasen, unbefestigtem Hof und anderem unebenem Untergrund bewegen. Für besonders ungünstige Einsatzbedingungen wären Vollgummireifen eine mögliche Alternative.
Zum Bewegen fertigte ich einen Griff nach Art einer Sackkarre an. Die Querstange hilft dabei, die Werkstatt auch über Treppen hinaufzuziehen oder hinunterzulassen.
Kompakt beim Transport, großzügig bei der Arbeit
Zusammengeklappt ist die mobile Werkstatt etwa 77 Zentimeter lang, 58 Zentimeter breit und 1,05 Meter hoch. Im aufgebauten Zustand wächst die Breite auf etwa 1,50 Meter. Mit geöffnetem Nusskasten beträgt die Höhe rund 1,27 Meter.
Der Nusskasten befindet sich auf der Oberseite. Er ist auf einer Art Schublade montiert und kann seitlich verschoben werden, um den darunterliegenden Stauraum zugänglich zu machen. Eine Stütze hält den geöffneten Deckel, sodass sich auch dessen Inhalt bequem entnehmen lässt. Für den Transport wird der Nusskasten arretiert.
Eine Idee mit vielen Einsatzmöglichkeiten
Ich selbst benötige meine mobile Werkstatt hauptsächlich für Reparaturen an Fahrzeugen. Fahrräder oder Rasenmäher bearbeite ich beispielsweise im Hof oder auf dem Rasen. Gelegentlich kommt sie auch bei der Nachbarschaftshilfe zum Einsatz.
Doch die Konstruktion ist nicht auf meinen persönlichen Bedarf beschränkt. Sie könnte ebenso für unterschiedliche Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe interessant sein:
- Kfz-Werkstätten und mobile Fahrzeugdienste
- landwirtschaftliche Betriebe
- Gas- und Sanitärinstallateure
- Elektriker
- Schreiner und Zimmerer
- Handwerker auf Baustellen
- Innenausstatter und Allrounder
Natürlich müsste die Ausstattung jeweils angepasst werden. Ein Installateur benötigt andere Werkzeuge als ein Kfz-Mechaniker oder Elektriker. Auch die Schubladen, Fächer und Arbeitsflächen könnten je nach Einsatzgebiet anders gestaltet werden.
Denkbar wären unterschiedliche Modelle: vom leeren Grundfahrzeug über eine Allrounder-Ausführung bis hin zu einer speziell für einen bestimmten Beruf bestückten mobilen Werkstatt. Auch ein kleiner Schraubstock oder eine herausnehmbare Werkzeugkiste, die gleichzeitig als Hocker dient, wären mögliche Ausstattungsvarianten.
Ein Gebrauchsmuster war geplant
Ich hatte sogar vor, für meine mobile Werkstatt ein Gebrauchsmuster anzumelden. Dafür fertigte ich eine technische Zeichnung mit verschiedenen Ansichten und Positionsnummern an.
Leider stellte sich heraus, dass meine mobile Werkstatt bereits durch ein anderes Patent abgedeckt war. Eine eigene Gebrauchsmusteranmeldung kam deshalb nicht zustande.
Eine Werkstatt, die mitkommt
Meine mobile Werkstatt verbindet einen geräumigen Werkzeugwagen mit einer stabilen Werkbank, einer zusätzlichen Ablage und einer Transportmöglichkeit, die auch auf schwierigem Untergrund funktioniert. Sie lässt sich kompakt zusammenstellen, transportieren und am Einsatzort schnell wieder aufbauen.
Für mich ist sie ein schönes Beispiel dafür, was aus einer einfachen Frage entstehen kann: Wie bekomme ich mein Werkzeug und eine brauchbare Arbeitsfläche genau dorthin, wo ich sie brauche?
Die Antwort steht auf Rädern – und lässt sich sogar die Treppe hinaufziehen.
Mehr über meine Fahrzeuge und Projekte
Weitere Konstruktionen und die Geschichten dahinter findest Du in meinem Buch MITEINANDER – NEBENEINANDER: Die Fahrzeuge eines Tüftlers .