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Brieftauben sind meine große Liebe!

55 Alltagsgeschichten mit meinen Haustieren


Cover: Brieftauben sind meine große Liebe!
Seiten: 140
ISBN: 978-1-79512-174-3
EBook (1. Aufl. 1. Febr. 2019) Bestellmöglichkeit:
"Brieftauben ..." - für Kindle
Buch (1. Aufl. 2. Febr. 2019) Bestellmöglichkeit:
"Brieftauben ..." - 6x9"


Werner Molzahn "infizierte" sich in den 70er Jahren mit dem Brieftaubenvirus. Sein Pflegevater erkannte die Anzeichen dieser ernsten Erkrankung. Anstatt jedoch seinen Sohn vor den Auswirkungen zu retten, kaufte er Zuchttauben edler Herkunft und vertraute sie seiner Pflege an. Ab diesem Zeitpunkt war es um Molzahn geschehen. Nicht nur dass die Brieftaubenzucht seine Leidenschaft wurde, nein, in den Tieren hatte er auch seine große Liebe gefunden. Und das war auch gut so! Denn ohne diesen Umstand gäbe es die 55 zum Teil rührenden, bewegenden, auch beängstigenden, zuweilen überwältigenden, unglaublichen und bewundernden Alltagsgeschichten dieses Buches nicht. Sie, liebe Leserinnen und Leser würden nie ...

Diese und viele andere fesselnde Geschichten erwarten Sie in diesem Buch. Es wird Ihnen schwerfallen, es vor der letzten Seite aus der Hand zu legen.

Überblick

Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Molli DV-0828-57-001

Einleitung: Zum Buch

Champ DV-0828-18-436

Blacky DV-0828-87-233

Wussten Sie schon ... (Religionen und Tauben)

Der Fuchs! DV-0828-00-000

Mister Leihgabe DV-0828-00-000

Blue First DV-0828-03-303

Blackys Nachkommen

"Kommisar Molli"

Urkunde: Standard Vogel

Adonis! DV-0828-89-51

Die Ölprinzen und der Ölprinz! DV-08582-96-254

Schimmeltauben! DV-0828-...-300; -720; -156; -45; -46; -3; -450; -988

Wussten Sie schon ... (Unterschied: Brieftauben zu Rassetauben)

Sorgen und Aktion Sorgenkind!

Mollis Streiche!

Wussten Sie schon ... (Redensarten und Sprüche mit Tauben)

Villa Taubenschlag!

Urkunde: 1. Meister der Zeitschrift "DIE BRIEFTAUBE"

Waggon der Winde!

Denn sie wissen nicht, wer sie sind! Roter 267 & Weihnachtsmann 266

Wie ein Belgier zu Rocky wurde! Rocky 5258

Wussten Sie schon ... (Tauben Schönheits- und Form-Kur-5-Tages-Süppchen)

Geiz kann richtig geil sein!

Geschenke, die von Herzen kommen!

Wussten Sie schon ... (Tauben-Brettspiel: RV-Meisterschaft)

Geselliges Allerlei!

Zu guter Letzt!

Urkunde: Goldmedaille

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Vorwort:
Molli DV-0828-57-001


Werner Molzahn im SchlagNein, keine Sorge, mein "kleiner" Bruder ist nicht beringt. Und so weit ich weiß, trägt er auch keine Fußfessel. Aber mit dieser fiktiven Ringidentifikationsnummer (DV-0828-57-001) ist er klar zu erkennen. Das DV besagt, dass Werner, liebevoll auch "Molli" genannt, zum Verband deutscher Brieftaubenliebhaber gehört. Das ist nicht nur auf dem Papier so, das ist Fakt! Mein kleiner Bruder liebt seine Brieftauben über alles. Ich hab mir sagen lassen, dass es deswegen schon zu eifersüchtigen Auseinandersetzungen zwischen den Tauben und seiner Frau kam. Aber da hat SIE von vornherein verloren. Zuerst kommen bei Molli die Tauben, an zweiter Stelle seine Tauben und ...

0828! Nein, nicht 0815 sondern 0828 ist der nächste Hinweis, Molli zu identifizieren, weil es die Vereinskennung ist. Aufgelöst landet man mit der BZV (Brieftaubenzuchtverein) 0828 nämlich beim Verein "Heimkehr" von Legelshurst in der Ortenau. Und da muss man dann nach einem Mitglied forschen, das "57" geboren wurde. Gemeint ist natürlich 1957. Und weil in der Molli-Familie 1957 nur einer geboren wurde, ist er der 001. Taubenzüchter würden also von Molli 001 sprechen, aber dieser Molli 001 hat keine Flügel, denn die wurden ihm in jungen Jahren kräftig gestutzt.

Unsere gemeinsame Geschichte, die also von meinem kleinen Bruder und mir, währte nicht besonders lange. Gerade mal neun Jahre war ich alt, als unsere Eltern starben. Zuerst unsere fleißige und von uns abgöttisch geliebte Mutter und dann auch noch unser Vater, den wir beide aufgrund vieler gemeinsamer Spaziergänge in die Natur in Erinnerung haben. Beide in demselben Jahr. Mit einem Schlag war unsere unbeschwerte Kindheit zu Ende. "Die etwas verwöhnten Brüder" wurden auseinandergerissen und in zwei verschiedene Familien vor Ort gesteckt, die unbedingt einen (gesunden) Sohn haben wollten. Ich kam zu Pflegeeltern, deren Wunsch nach einem Sohn versagt geblieben war und Werner zu Pflegeeltern, die zwei erwachsene Söhne hatten, die aber leider an Kinderlähmung erkrankt waren und Pflege benötigten. Um diesen beiden Jungs etwas Unterhaltung zu bieten, gab es dort sehr viele Tiere.

Mit anderen Worten: Im Stall standen zwei Kühe, nebenan grunzten zwei Schweine. Im Garten gackerten eine ganze Menge Hühner nebst ihrem krähenden Hahn. Viel leiser ging es im Hasenstall zu. Nichtsdestotrotz waren die Hasen den Hühnern zahlenmäßig kaum unterlegen. Neben dem Schuppen gab es noch ein kleines Häuschen, in dem viele verschiedene und teilweise sehr exotische Vögel lebten. Was war das für ein Gezwitscher. Und dann gab es da noch die Tauben.

Das war das ganz besondere Hobby von Werners Pflegevater. Im Schuppen, über dem Holzlagerplatz, züchtete er seine Brieftauben, nahm an Wettflügen teil und freute sich, wenn seine Schützlinge wieder heil nach Hause kamen. Diese Freude steigerte sich immens, wenn einige dieser Tauben erfolg- und siegreich auf dem Schlagbrett (Landeplatz vor dem Taubenschlag) landeten.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit meinem kleinen Bruder. Was er erlebt und durchlebt hat, würde ein eigenes Buch füllen. Um es kurz anzudeuten, nur so viel: Als Werner zur Pflegefamilie kam, war kurz zuvor einer der der beiden Söhne gestorben. Der andere wurde sein Freund und half ihm, seine wirklich böse Pflegemutter gesund zu überstehen. Als Werner 12 war, starb sie. Dann erkrankte sein lieb gewonnener Halbbruder und erstickte eines Nachts. Dieses Bild wird er wohl nie aus seinem Kopf bekommen. In dieser Zeit fand er Trost bei den Tieren. Auch die Haushaltshilfe nahm sich seiner an und wurde ihm wie eine Mutter.

Doch dieses kurzfristig eingekehrte Glück sollte sich wieder davonschleichen. Sein liebevoller und gutmütiger Pflegevater heiratete eine Witwe, die Werner unmissverständlich klar machte, dass er ja nur angenommen war.

So verachtet erwärmte sich mein kleiner Bruder immer mehr für die Tauben. Die Erfolge und die Preise und die Leistungen dieser Tiere ließen in ihm eine große Bewunderung aufkeimen. Noch war er nicht Feuer und Flamme, aber ein erneuter Schicksalsschlag änderte dies beinahe schlagartig.

Werners Pflegevater stürzte nämlich von der Leiter und landete im Krankenhaus. Wer sollte sich nun um die Tauben kümmern? Seine zweite Pflegemutter hatte für diese Tiere nur dann etwas übrig, wenn sie in der Pfanne landeten. Werner sprang ein. Werner versorgte die Tiere. Und: Werner infizierte sich mit dem unheilbaren "Brieftaubenvirus".

Wieder zu Hause, nahm sein Pflegevater sofort wahr, was geschehen war. Es freute ihn so sehr, dass er zu einem berühmten belgischen Züchter Kontakt aufnahm und einige Zuchttauben kaufte. So kam es dann zur "Schlaggemeinschaft Stenzel-Molzahn", die zu einem erfolgreichen Züchtergespann wurde.

Seit vielen Jahren sind nun auch sein Pflegevater und seine zweite Pflegemutter verstorben. Aber das Hobby und der Schlag seines Pflegevaters leben weiter. Mit ganzem Herzen und ganzer Seele und manchmal auch ohne Verstand :-) ist mein kleiner Bruder dabei.

Werner, es ist mir eine große Freude, mit Dir zusammen dieses Buch zu schreiben. Die Geschichten von und mit Deinen Tauben sind teilweise bewegend, rühren zu Tränen, lassen verschmitzt grinsen, sind unglaublich ...

Schwandorf, 28.12.2018 - Wolfgang Molzahn

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Einleitung:
Das Buch


Mein Bruder erzählte mir vor Jahren die Geschichte von einem kleinen Igel, den er und seine Familie erfolgreich über den Winter gebracht hatten. Seine Kinder richteten dem putzigen Kerlchen ein nettes zu Hause ein, verwöhnten ihn mit gutem Futter, reinigten täglich seinen "Stall" und schenkten ihm sehr viel Liebe.

Der Igel wuchs und gedieh und wurde auch ein ganz klein wenig zutraulicher. Sein Köpfchen zuckte mit der Zeit nicht mehr ganz so schnell unter die Stacheln. Natürlich gehörte zu der Pflege auch, dass das Tier ab und an in der Küche herumspazieren konnte. Da zeigte er sich dann sehr neugierig. Hätte man ihm den Zugang nicht verwehrt, dann hätte er einen Schrank, der mit einem Vorhang versehen war, nicht nur genauestens inspiziert, sondern auch gänzlich auseinandergenommen.

Die Zeit verging, es wurde Frühling und aus dem kleinen Kerl war ein fetter Brocken geworden. Dann war er da! Der Tag, an dem er wieder in die Freiheit entlassen wurde. Eine kleine Prozession wanderte in den Wald, richtete noch ein paar ermutigende Worte an ihn und setzte ihn auf den Waldboden.

Kaum lag er da, entrollte er sich, nahm seine Beine unter die Arme und machte sich erstaunlich flink davon. Irgendwie, so erzählte mir mein Bruder, waren sie alle maßlos enttäuscht. Über Monate hatte man sich liebevoll diesem Tier gewidmet, gewährte ihm freie Kost und Logis und dann das. Kein kurzes Innehalten, kein Zurückblicken, kein Danke und auch kein Anheben des rechten Vorderpfötchens, um Tschüss zu sagen. Er haute einfach nur ab und ließ uns da stehen mit unserem Karton.

Haustiere sind da ganz anders!

Ich kann diese Enttäuschung sehr gut nachempfinden. Wenn man jemandem – auch einem Tier – etwas Gutes tut, dann erwartet man zumindest eine klitzekleine Reaktion des Dankes. Einfach etwas, an dem man erkennen kann, dass die Liebe, die Pflege usw. angekommen ist. Bei einem Igel wartet man darauf umsonst. Vielleicht gibt es Ausnahmen, die Regel ist es aber sicherlich nicht.

Anders die Haustiere. Da ist es eher die Regel, dass man etwas von dem, was man den Tieren schenkt, zurück bekommt. Nicht umsonst behaupten viele Menschen, dass ihr Haustier sie nicht nur glücklich, sondern ihr Leben auch besser gemacht hat.

Was sind überhaupt Haustiere?

Zweierlei! Zum einen sind Haustiere Tiere, die in einem Haus gehalten werden können. Es sind Tiere, die man in der Wohnung lassen kann, ohne dass diese nach kurzer Abwesenheit in irgendeiner Weise verunreinigt und ramponiert oder gar völlig zerstört ist. Zu ihnen gehören zum Beispiel Katzen, Hunde, Vögel, Hamster und auch Fische. Nicht alle, aber viele dieser Haustiere sind nicht nur unsere Mitbewohner, sondern auch unsere Spielkameraden, Zuhörer, Aufpasser und Schmusepartner.

Als Haustiere werden aber auch solche Tiere betrachtet, die nicht in Freiheit leben. Ihr Zuhause ist der Stall, ihre Aufgabe ist der wirtschaftliche Nutzen und sie sind zahm. Solche Haustiere sind zum Beispiel Hühner, Gänse, Kühe und Pferde, wobei insbesondere Pferde für mich eine echte Beziehung zum Menschen aufbauen können und eben nicht nur wirtschaftlich genutzt werden.

Brieftauben sind meine große Liebe!

Natürlich könnte man nun darüber streiten, bei welcher Sorte Haustiere Brieftauben anzusiedeln sind. Stubenrein wird man sie wohl nie bekommen und ihnen von daher nur eine kurze Vorzeige-Visite im Wohnzimmer gewähren. Aber sie sind eben mehr als nur Schlag-Bewohner. Diese Tiere sind gute Zuhörer und scheinen auch zu verstehen, was man ihnen erzählt. Zumindest haben sie mir in meinen Lebensnöten auf ihre Art Trost gewährt.

Letztlich ist es völlig egal, bei welcher Art Haustiere Tauben landen. Ein richtiger Tierliebhaber wird auch nicht nur sein Haustier lieben, sondern auch die anderen Tiere in seiner Umgebung, wenn es nicht gerade Stechmücken sind.

Aber die große Haustier-Liebe meines Lebens sind meine Brieftauben. 15 Jahre lang hatte ich auch einmal einen Hund. Er hieß Manny, war mein bester Kumpel und hat mich oft aufgemuntert. Sein Tod hat mich so mitgenommen, dass ich mir bis heute keinen Nachfolger zugelegt habe.

Für Sie mag Ihr Haustier eine Katze sein, oder ein Hund oder was auch immer. Das ist kein Problem. Im Gegenteil. Sie wissen genau, wovon ich rede.

Wenn Frauchen und/oder Herrchen sein Haustier liebt,
dann nimmt das Haustier dies wahr.
Und wenn Haustiere ihre Frauchen und/oder Herrchen lieben,
dann stellen diese mit Erstaunen fest,
dass auch sie das wahrnehmen können!

55 Alltagsgeschichten mit meinen Haustieren!

Klar, die Liebe zu seinen Tieren ist die eine Sache, aber was treibt einen Menschen dazu, seine Erlebnisse mit diesen Tieren in ein Buch zu packen? Das will ich Ihnen gerne verraten.

Ist es Ihnen nicht auch schon so ergangen, dass Sie bereut haben, die lustigen Episoden mit Ihren Kindern nicht aufgeschrieben zu haben? So vieles gerät in Vergessenheit und nur ab und an fällt einem wieder eine Begebenheit ein, die man dann zum Besten geben kann. Dabei gäbe es viel viel mehr Geschichten, die auch unsere Kinder gerne von uns hören würden.

Mit meinen Brieftauben habe ich viele rührende, bewegende, auch beängstigende, zuweilen überwältigende, unglaubliche und bewundernde Erlebnisse gehabt. Doch niedergeschrieben habe ich sie nie. Ich habe einfach darauf vertraut, sie nicht zu vergessen und immer wieder zum Besten geben zu können. Bis vor kurzem. Da habe ich eine solche Geschichte meinem Bruder erzählt und der war davon so ergriffen, dass er meinte, ich solle solche Erlebnisse aufschreiben, ihm zusenden, ihn überarbeiten und zu einem Buch verarbeiten lassen. "Solange ich es nicht selber schreiben muss, mache ich das gerne", sagte ich ihm.

Und so reihte sich eine Geschichte an die andere. Bei 55 Erlebnissen beschlossen wir dann, einen Schlusspunkt zu setzen. Bis dahin erfahren Sie in diesem Buch ...

Diese und andere Geschichten erwarten Sie in diesem Buch. Ich wünsche Ihnen beim Lesen viel Freude und auch einige Tränchen.

Legelshurst, 19.01.2019 - Werner Molzahn

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Champ DV-0828-18-436:
1 – Der Schoßtäuberich!


"436" ist meine Lieblingstaube. Ihren Vater hatte ich Mollis Hope 502 getauft. 436 ist sein Sohn, der im Jungflug einen 1. Preis flog. Beinahe wäre dies sein letzter Siegesflug gewesen. Und das kam so:

Ja, ich muss zugeben, dass auch dies bei mir vorkommt. Ich meine, dass ich faul im Liegestuhl rumhänge und den Herrgott einen guten Mann sein lasse. Und das in unserem Hof, in Sichtweite meines geliebten Taubenschlags. Natürlich liebe ich nicht den Taubenschlag, sondern seine Bewohner. Und ganz besonders eben den Täuberich Champ 436.

Als sich diese Geschichte ereignete, hatte ich gerade den Schlag der Jungvögel geöffnet. Was war das für ein Gurren und Treiben. Nur wenige starteten zu einem kleinen Rundflug um unser Haus. Auch Champ war unter denen, die in die Lüfte aufstiegen. Sofort heftete ich meine Augen an ihn und verfolgte ihn mit meinem Blick.

Und erstarrte ... Aus den Augenwinkeln erspähte ich einen Raubvogel. Dieser hatte allerdings keinen Blick für mich übrig, sondern, das war sofort deutlich sichtbar, 436 im Visier. Immer ängstlicher werdend erahnte ich nun das sich abzeichnende Drama. Für mich war Champ im Geiste bereits verloren.

Der Habicht begann seine Jagd. Für Molli Hope's Sohn war jede Hoffnung vergebens. 436 teilte diese Ansicht nicht. Der Raubvogel stieß herab und 436 desgleichen im Kunstflug. Tauben sind ja bekanntlich exzellente Flieger. Aber lange helfen würde Champ das nicht. In der Vergangenheit hatte ich schon erlebt, dass ein Habicht nur wenige Meter von mir entfernt und im Hof seine Beute ergriff und floh.

Glücklicherweise hatte ich aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. 436 steuerte nicht nur den Hof oder das Schlagbrett an. Champ hatte eine bessere Idee. Immer noch lag ich wie geschockt im Liegestuhl. Nur meine Augen verfolgten das Unausweichliche und die Hände verkrampften sich in den Armlehnen. Und wahrscheinlich war dies auch gut so!

Denn ... 436 setzte zum Landeanflug auf meinen Schoß an und schaffte dies gerade so, während ich blitzschnell meine Hände über ihn hielt. Molli Hope's Sohn hatte es tatsächlich geschafft, dem Raubvogel zu entkommen. Dieser drehte ab.

Das Herz von Champ bumperte gewaltig. Sichtlich geschockt lag er in meinem Schoß und erholte sich nur langsam. Doch nach einiger Zeit war er wieder ganz der Alte.

Seither sind einige Monate vergangen. 436 geht es nach wie vor gut. Und ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde, aber ich habe den Eindruck, dass Champ mich immer dann, wenn ich den Schlag betrete, dankbar beäugt. Auch ich bin dankbar, dass es ihn immer noch gibt, ihn, meinen Schoßhu... äh ... meinen Schoßtäuberich.

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Blacky DV-0828-87-233:
2 – Euer Lordschaft!

Gäbe es Tauben mit blauem Blut, dann würde Blacky ganz ohne Zweifel dazu gehören. "Wieso ich davon so überzeugt bin", fragen Sie? Das will ich Ihnen gerne erzählen:

In den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts standen Belgien und Holland im Taubensport ganz ganz oben. Dort waren die Starzüchter zu Hause. Und wer mit seiner eigenen Zucht weiter kommen wollte, der benötigte das frische und royale Blut berühmter Zuchttauben aus eben diesen Ländern und aus dem Schlag eines ihrer erfolgreichen Züchter.

Ich wollte weiter kommen. Deshalb kaufte ich Blacky's Großeltern in Belgien ein und begann eine Zucht aus dieser Linie. Im April 1987 schlüpfte 233 und nach ihm 234. 233 war Euer Lordschaft Täuberich Blacky und 234 Lady Dunkle. Hätte ich damals geahnt, dass ich einmal ein solches Buch schreibe, dann hätte ich die Namen sicherlich ganz anders gewählt. Nun will ich aber bei der Wahrheit bleiben und werde deshalb immer die einmal gegebenen Namen verwenden. Blacky war "Blacky 233" und seine Schwester nur "Dunkle 234".

Euer Lordschaft 233 und Lady 234 durften zusammen aufwachsen. Nach einem Monat, als beide also schon flügge waren, kamen neue Freunde hinzu. Für sie alle öffnete sich nun der Schlag, das heißt, sie durften nun nach draußen und ihre Heimat und den Himmel von Legelshurst erkunden.

Tauben fliegen über ihrem Zuhause Kreise. Mit zunehmendem Alter werden diese immer größer. So auch bei Blacky. Nach etwa zwei Monaten verwöhnte ich ihn schon mit meinem privaten Training. Ich setzte ihn in einen Korb, fuhr anfangs etwa drei Kilometer weit weg und ließ ihn dann frei. 233 war vor mir wieder zu Hause. Ich erhöhte auf fünf, sieben, zehn, fünfzehn und zwanzig Kilometer. Kein Problem. Blacky pflügte durch die Luft und landete sicher und wohlbehalten auf dem Schlagbrett. Irgendwann kam ich dann auch zu Hause an.

O. K. dachte ich, dann drehen wir mal den Spieß um. "Ab jetzt werde ich auf dich warten", klärte ich 233 auf. Für Tauben heißt dies im Klartext, dass sie nun auf "Kaffeefahrt" gehen dürfen. Im Kabinenexpress, einem speziellen Taubentransportfahrzeug, werden sie weiter weggefahren und dann frei gelassen.

Das gefiel Euer Lordschaft sehr. Meistens war er einer der Ersten, die zu Hause ankamen. Noch in seinem Geburtsjahr erflog er seinen ersten Preis.

Doch Blacky trug seine Nase auch sehr weit oben. Wenn er von Flügen in vorderster Reihe nach Hause kam, dann stand er mit stolz geschwellter Brust auf dem Schlagbrett und wartete auf seine Artgenossen. Und die mischte er dann ordentlich auf. Ich wünschte, ich könnte Ihnen das besser beschreiben. 233 war mein bester Vogel, aber er hatte auch einen Vogel, nämlich den, auf dem Schlagbrett wie Muhammad Ali seine Teamkollegen kämpfend zu umtänzeln, anstatt seinen richtigen Sieg dadurch zu erlangen, indem er doch endlich in den Schlag käme. Davon aber später mehr.

Macht das bisher Gesagte ihn zu "Euer Lordschaft"? Nein, nicht ganz, das kommt noch. Von Blacky müssen Sie noch viele Geschichten über sich ergehen lassen.

Einstweilen so viel als Beweis: Euer Lordschaft Blacky 233 schaffte es in den Schlagbericht einer internationalen Taubenzeitung. Er ist auch in ganz Europa und natürlich auch hier in Deutschland bekannt. Seine Erfolge waren legendär. Er schrieb Geschichte!

Am 28. April 2009 starb Blacky im Alter von 22 Jahren.

"Euer Lordschaft Blacky! Ich, Ihr Züchter, verneige mich vor Ihnen. Ich werde Sie nie vergessen! In diesem Buch werde ich durch einige Berichte Ihrer Gedenken und andere daran teilhaben lassen. Das bin ich Ihnen schuldig. Leben Sie wohl im Taubenhimmel."

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Blacky DV-0828-87-233:
4 – Blacky gewinnt Gold!

Zurück zu Euer Lordschaft Blacky 233.

Blacky war 1987 geschlüpft und erzielte schon in seinem ersten Lebensjahr in zwei Einsätzen seinen ersten Preis. Er wusste inzwischen – per erdnussialer Bestechung – dass er sofort in den Schlag kommen musste, um als Brieftaube zu siegen. Das war ihm wahrscheinlich ziemlich schnuppe – Erdnüsse wollte er haben, viele Erdnüsse, leckere Erdnüsse, Erdnüsse zum Frühstück, zu Mittag und zu Abend :-).

So kam es, wie es kommen musste. Immer und immer wieder stellte er sein Können unter Beweis. In den Jahren 1988 bis 1991 landete bzw. flog er drei Mal unter die Besten. Drei Mal war er unter den Top Ten in der Region der Reisevereinigung Ortenau!

Hier seine Gesamt-Bilanz:

Nie werde ich jenen Tag vergessen. In sehr großer Höhe sah ich kurz nach 18 Uhr Blacky über unserem Haus. Dann stürzte er förmlich herab, kreiste ein letztes Mal ums Haus und flog das Schlagbrett an. Ich selbst nahm drei Stufen der Treppe zum Taubenschlag auf einmal, stürzte in den Schlag, sah Blacky hereinspazieren, zog ihm den Gummiring ab und drehte ihn in die Konstatieruhr ein. Es war 18:05 Uhr.

Ich schreibe dies mit Tränen in den Augen. Diesen Höhepunkt werde ich nie vergessen. Auch wenn dies natürlich nicht im Fernsehen oder Radio übertragen wurde, höre ich dennoch einen Reporter, der ausflippt und fassungslos in sein Mikrofon schreit:

"Gold für Deutschland!
Gold für einen überragenden Blacky!
Welch ein Wahnsinn – 770 km und
Blacky gewinnt Gold!"

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